Staffel 1 · Kapitel 2

Die Straße

Auf den Knien, beide Hände auf kaltem Stein, ging mein Atem viel zu schnell. Der Körper war ganz: keine aufgeschlagenen Handflächen, kein Blut, kein Schmerz in den Knochen. Nur Kälte, der…

Die Straße – Kapitelbild

Auf den Knien, beide Hände auf kaltem Stein, ging mein Atem viel zu schnell. Der Körper war ganz: keine aufgeschlagenen Handflächen, kein Blut, kein Schmerz in den Knochen. Nur Kälte, der Geruch eines feuchten Morgens und irgendwo Wasser, das von einem Dach in eine Rinne tropfte.

Langsam hob sich mein Blick.

Die Straße war schmaler, als sie von oben gewirkt hatte. Links standen Häuser mit dunklen Fenstern, rechts lief eine hohe Mauer bis zu dem Tor, das eben noch weit entfernt gewesen war. Dahinter ragten Türme auf. Keine prunkvollen Türme, eher alte, schwere Gebäude, die nicht gebaut worden waren, um freundlich zu wirken.

Ein Blick zurück zeigte niemanden.

Niemand stand hinter mir.

Elias„Das ist nicht möglich.“

StimmeMöglich ist hier selten das erste Problem.

Die Stimme kam wieder ohne Richtung. Nicht laut. Nicht leise. Sie war einfach da.

Beim zu schnellen Aufstehen musste die Mauer Halt geben. Für einen Moment drehte sich die Straße. Unter meiner rechten Hand verfärbte sich der Stein, erst grau, dann dunkler, beinahe rot. Kaum war die Hand weggerissen, blieb die Farbe noch einen Atemzug und zog sich dann zurück.

Elias„Was war das?“

StimmeEine Warnung.

Elias„Vor mir?“

StimmeVor dem, was du mitbringst.

Noch bevor eine Antwort kam, wurden am Ende der Straße Schritte laut. Mehrere Schüler bogen um die Ecke, ältere wahrscheinlich, mit Taschen über den Schultern und zu schnellen Bewegungen. Einer stieß eine kleinere Schülerin zur Seite, nicht hart genug, um es Absicht nennen zu müssen, aber hart genug, dass sie das Gleichgewicht verlor.

Sie trat rückwärts auf die Bordkante. Hinter ihr rollte ein Karren vorbei, gezogen von einem Tier, das nur am Rand meines Blicks auftauchte: zu viele Beine, ein zu niedriger Kopf, schwere Räder.

Zum Nachdenken blieb keine Zeit.

Meine Hand schloss sich um ihren Ärmel und zog sie heran. Der Karren rumpelte so nah vorbei, dass sein Luftzug meine Jacke streifte. Die Schülerin stolperte gegen mich, fing sich und sah auf.

Sie hatte dunkles Haar, das sie mit einem schwarzen Band zurückgebunden hatte. Ihr Gesicht war blass vor Schreck, aber sie zwang sich sofort, aufrecht zu stehen, als wäre Angst etwas, das man nicht öffentlich liegen ließ.

Mara„Danke“, sagte sie.

Als sie wieder sicher stand, gab ich ihren Ärmel frei. „Schon gut.“

Mara„Du bist neu.“

Elias„Sieht man das so deutlich?“

Sie musterte mich, aber nicht spöttisch. Eher genau.

Mara„Du stehst mitten auf der Straße und siehst das Tor an, als hätte es dich beleidigt.“

Eine Antwort lag schon bereit. Dann riss die Straße unter meinen Füßen weg.

Nicht wirklich. Nicht wie zuvor. Die Häuser blieben stehen, doch der Halt an ihnen ging verloren. Das Mädchen griff nach mir, ihre Finger streiften kurz meinen Ärmel, dann wurde alles dunkel.

Dein eigener Weg beginnt in der Schule

Die öffentliche Geschichte zeigt den Anfang. Im Spiel formen Beziehungen, Unterricht und Entscheidungen deinen eigenen Verlauf.

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